AMBot | 31.03.2017 | Lesezeit: 5 Min.
Das grundsätzliche Problem bei den meisten Anime/Manga Live Action Adaptionen in den letzten Jahren kann man einfach zusammenfassen: Die Umsetzung besitzt nur noch eine entfernte Ähnlichkeit mit dem jeweiligen Original. Die Entschuldigung ist dann auch meistens schnell gefunden, einen Inhalt einem breiteren Publikum zugänglich machen zu wollen, wenn dabei auch Werke bis zu Ihrer Unkenntlichkeit kommerzialisiert wurden.

Bei "Ghost in the Shell" (kurz GITS) von Mamoru Oshii kann davon schon nicht die Rede sein, da das Material mittlerweile gut 20 Jahre alt ist. Dennoch dürfte die Umsetzung nicht unerwartet kommen. So wurde das Sequel "Ghost in the Shell: Innocence" in 2004 und die später folgenden TV-Serien (in den letzten Jahren) auf dem amerikanischen Markt gut angenommen. Aus heutiger Sicht passt die Ausrichtung des "Cyberpunk" ideal für das große Kino, da die Technik es mittlerweile möglich macht die Welten dieses Genres zu erschaffen.

Auf den Punkt der genannten Problematik gebracht, ist der Regisseur und seine Vision, die wichtigste Voraussetzung. Denkt ein Kinozuschauer an den Film "Alien", dann fällt zwangsläufig der Name Ridley Scott. Für "Ghost in the Shell" übernimmt diesen Part Rupert Sanders, der sein Spielfilmdebüt zuvor mit "Snow White and the Huntsman" gab und für seine Bildkompositionen bekannt ist. Ansonsten braucht natürlich jeder Film seinen Star, der mit Scarlett Johansson ungeachtet einiger kaum nachvollziehbarer Kritik ("Whitewashing"), seine ideale Besetzung fand.

Die Story beginnt mit der Erschaffung von Major in einer visuell grandiosen Umsetzung der Szenen des Animes. Man erfährt dabei, dass Sie der erste Cyborg Ihrer Art ist, womit die einleitende Frage des technologischen Fortschritts und der menschlichen Identität ("Ghost") nachfolgend (auch infolge des Gedächtnisverlusts) in den Vordergrund gestellt wird. Nach dieser Szene folgt ein Sprung mitten ins Geschehen von Sektion 9 (ein Team von Spezialisten im Bereich Hacking und Cyber Terrorismus), die einen Anschlag auf ein Businesstreffen verfolgen. Es handelt sich dabei um die Szene, die man in den verschiedenen Trailern bereits betrachten konnte.

In diesem ersten Part werden dem Zuschauer die Hauptcharaktere und Szenerie von "Ghost in the Shell" vorgestellt. Dazu lässt sich im Prinzip nur sagen, dass die Detailarbeit auf grafischer Ebene überragend anmutet. Von den meisten Filmen, die eine Zukunftsvision einer Welt aufzeigen, wird das jeweilige CGI Werk in der Dimension einer Kulisse für ein schlechtes Computerspiel gehalten bzw. die heute standardisierten Aufnahmen im sog. "Green Room". Deswegen beschränken sich die meisten Filme primär auf einfache Sets, nur einzelne Bereiche oder auf Figuren innerhalb eines realen Hintergrundes.

"Ghost in the Shell" hingegen basiert auf der Kulisse der Stadt Hongkong und interagiert mit dieser Vorlage, wobei jedes Bild und Szene digital modifiziert wird. Wenn man so will, wird die reale Welt mit CGI überlagert. Eine derartige Anwendung der 3D Technik, so kann man sagen, hat man bisher noch nicht gesehen. Dieser Detailaufwand endet aber auch nicht im Hintergrund, sondern wird auf die Charaktere übertragen. Der Film wird darüber hinaus durch einen sehr guten Soundtrack getragen, der die direkten Inszenierungen des Originals ideal unterstreicht.

Von den Charakteren fällt insbesondere Kuze (ein Prototyp von Hanka Robotics, weder Puppetmaster noch Laughing Man), gespielt von Michael Carmen Pitt auf (bekannt aus der zweiten Staffel von Hannibal), der gleich in seiner ersten eigentlichen Szene mit Major den anderen Charakteren ein wenig die Show stiehlt. Ab dieser Szene dreht sich auch der weitere Handlungsverlauf, da sich ab diesem Punkt herausstellt, dass das bisher gedachte Leben von Major eine einzige Manipulation darstellt. Auch Batou gespiellt von Pilou Asbæk hat uns sehr gut gefallen (einige lässige Szenen), der unter Major das Team führt und als Bindeglied für die Story agiert.

Wenn man nach Schwächen aus der Sicht des Originals in der Umsetzung sucht. Der Film unterliegt praktisch einer durchgehenden Handlungslinie in zwei Teilen, die im Vergleich zum Original durchschaubar, weniger mysteriös wirkt und damit auch etwas von seinem Reiz einbüßt. Interessant ist jedoch, dass dieser Aspekt nur wahrgenommen wird, sofern der Original Anime bekannt ist (sei gesagt). Ein andere Punkt ist der Versuch sehr viele Themenbereiche zu integrieren. Hier kommt aus unserer Sicht die emotionale Seite zwischen den Charakteren zu kurz, während andere Szenen überdimensioniert wirken.

Mit einem Blick auf die heutige technische Entwicklung und gesellschaftlichen Fragen dürfte "Ghost in the Shell" tatsächlich einen ersten Blick in die Zukunft von Hollywood geben. Der Film ist unbedingt sehenswert und wir empfehlen ausdrücklich nur den Gang in 3D Kinos oder noch besser 3D IMAX :)

PS:

Es sei noch gesagt, dass sich das Review auf die US-Version (Pressevorstellung) bezieht.

Letzter Trailer anbei:

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