AMBot | 13.07.2026 | Lesezeit: 3 Min.
Seit dem 1. April 2026 führt Shu Nishimoto als Präsident und Repräsentativdirektor die Geschicke des Anime-Studios Aniplex. Der bisherige Leiter des internationalen Geschäftsbereichs folgt auf Atsuhiro Iwakami, der an die Spitze der Muttergesellschaft Sony Music Entertainment Japan berufen wurde. In seinem ersten ausführlichen Interview seit der Amtsübernahme legte Nishimoto gegenüber Variety die strategischen Prioritäten des Unternehmens dar.

Nishimoto, der 2009 bei Aniplex begann, von 2017 an die nordamerikanische Tochter Aniplex of America leitete und als Executive Producer an Erfolgen wie „Puella Magi Madoka Magica“ beteiligt war, betonte die Notwendigkeit, die internationale Präsenz weiter auszubauen. Die japanische Anime-Industrie erwirtschaftet nach seinen Angaben inzwischen rund 4 Billionen Yen (etwa 25 Milliarden US-Dollar) – mehr als die Hälfte davon im Ausland. Diesen Anteil sieht Nishimoto als Wachstumsmotor.

Aniplex solle jedoch nicht seine Inhalte an den globalen Markt anpassen. Vielmehr gelte es, die Essenz japanischer Kreativität zu bewahren. „Die Originalität japanischer Anime – ihre einzigartige Erzählweise, Bildsprache und kulturelle Prägung – ist der wichtigste Wert, den wir weiterverfolgen müssen“, so Nishimoto. Statt einer Verwässerung der IPs setze man darauf, deren Anziehungskraft mithilfe lokaler Partner in jeder Region tiefer zu vermitteln.

Konkret plant der neue Chef, jede Marke als langfristiges globales Asset zu behandeln und über verschiedene Formate wie Kino, Streaming, Merchandise, Spiele, Live-Events und Ausstellungen zu erweitern. Als besondere Stärke hob Nishimoto die bewährte Zwei-Gleis-Strategie hervor: hochwertige Adaptionen von Manga und Romanen ebenso wie vollständig neue Eigenproduktionen.

Neben dem Ausbau der globalen Reichweite rückt das Unternehmen auch das Thema künstliche Intelligenz in den Fokus. Nishimoto zeigt sich einem verantwortungsvollen KI-Einsatz gegenüber aufgeschlossen, sofern dieser die Arbeit der Kreativen unterstütze oder den Produktionsprozess verbessere. „Der Schutz und die Förderung unserer Kreativen haben oberste Priorität“, stellte er klar.

Innerhalb der Sony-Gruppe spielt Crunchyroll eine zentrale Rolle. Nishimoto bezeichnete den Streaming-Dienst als strategischen Partner, der wertvolle Einblicke in Fanpräferenzen liefere. Bereits 2025 gründeten Aniplex und Crunchyroll das Joint Venture HAYATE, das auf die Planung und Produktion von Anime-Inhalten für den globalen Markt spezialisiert ist. Zudem übernahm Aniplex Anfang des Jahres die Produktionsfirma EGG FIRM, die für Serien wie „Mushoku Tensei“ und „DanMachi“ verantwortlich zeichnet.

Neben Anime hat Aniplex auch im Live-Action-Bereich Erfolge vorzuweisen: Der über die Tochter Myriagon Studio produzierte Film „Kokuho“ feierte Premiere bei den Filmfestspielen von Cannes, erhielt eine Oscar-Nominierung und entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten japanischen Realfilme. Nishimoto bekräftigt, man werde auch künftig Projekte in beiden Formaten verfolgen, wenn überzeugende Konzepte und leidenschaftliche Produzenten dahinterstünden.

Mit einem Portfolio, das über 350 Produktionen in 21 Jahren umfasst – darunter weltweite Hits wie „Demon Slayer“, „Fate“ und „Sword Art Online“ – sowie den hauseigenen Studios A-1 Pictures und CloverWorks sieht sich Aniplex für die nächste Wachstumsphase gut aufgestellt. Nishimoto abschließend: „Unser Ziel ist es, IPs zu schaffen, die in den Herzen der Menschen bleiben – unabhängig von Genre oder Format.“
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