Hinako Sugiura

Beschreibung
Hinako Sugiura war eine japanische Manga-Zeichnerin und Forscherin der Lebensweisen und Bräuche der Edo-Zeit. Geboren als Junko Suzuki am 30. November 1958 im Stadtbezirk Minato in Tokio, wuchs sie in einer Familie von Kimono-Händlern auf, die von Tradition durchdrungen war. Nach einem Designstudium und der Entwicklung eines starken Interesses am feudalen Japan besuchte sie kurz die Nihon Universität, verließ diese jedoch, um unter der Anleitung des Autors Shisei Inagaki, eines Spezialisten der Edo-Zeit, der sie strenge Methoden der Hintergrundrecherche lehrte, zu forschen. Sie arbeitete auch als Assistentin der prominenten feministischen Manga-Zeichnerin Murasaki Yamada.

Sugiura gab ihr professionelles Debüt 1980 mit dem Manga Tsugen Muro no Ume, veröffentlicht im alternativen Manga-Magazin Garo. Ihr unverwechselbarer Zeichenstil griff stark auf Ukiyo-e-Techniken zurück, die sie nutzte, um das Leben und die Bräuche der Edo-Zeit mit bemerkenswerter historischer Genauigkeit darzustellen. Ihr Werk trug dazu bei, sie als Repräsentantin der zweiten Generation weiblicher Manga-Zeichnerinnen zu etablieren, und ihr Stil wurde aufgrund seiner künstlerischen Sensibilität als literarischer Manga oder 文艺漫画 bekannt.

Zu ihren bedeutendsten Originalwerken gehört Sarusuberi, das von 1983 bis 1987 im Weekly Manga Sunday serialisiert und später in drei Bänden zusammengefasst wurde. Der Manga spielt im Jahr 1814 und porträtiert das Leben von Katsushika O-Ei, der Tochter des berühmten Ukiyo-e-Künstlers Katsushika Hokusai, während sie im Atelier ihres Vaters arbeitet. Als eine Reihe locker verbundener Kurzgeschichten mit gelegentlichen übernatürlichen Elementen strukturiert, war das Werk nicht als präzise Biografie gedacht, sondern vielmehr als ein persönliches Eintauchen in die Welt exzentrischer Künstler. Sugiura wählte den Titel Sarusuberi, den japanischen Namen für den Lagerströmienbaum, als Metapher für Hokusais scheinbar unerschöpfliche Kreativität. Der Manga hat aufgrund seiner lebendigen Charakterzeichnungen Kultstatus erlangt.

Sarusuberi wurde zu einem Anime-Film mit dem Titel Miss Hokusai adaptiert, unter der Regie von Keiichi Hara und produziert von Production I.G, der in Japan am 9. Mai 2015 veröffentlicht wurde. Der Film erhielt internationale Verbreitung und positive Kritiken, gewann den Jury-Preis beim 39. Internationalen Animationsfilmfestival Annecy und den Goldenen Publikumspreis für den besten Animationsfilm beim Fantasia International Film Festival.

Weitere bemerkenswerte Manga-Werke von Sugiura sind Gassō, das 1984 den Japan Cartoonists Association Award gewann, und Fūryū Edo Suzume, das 1988 den Bungei Shunjū Manga Award erhielt. Sie schuf auch Hyaku Monogatari, eine Sammlung von Geistergeschichten in der Tradition der Edo-Zeit-怪谈, und Higashi no Eden, unter anderem.

1993 kündigte Sugiura ihren Rückzug aus dem Manga an, um sich vollständig der Erforschung der Lebensweisen und Bräuche der Edo-Zeit zu widmen. Sie schrieb zahlreiche Bücher zu diesem Thema, diente als wissenschaftliche Beraterin im Edo Tokyo Museum und trat häufig in japanischen Medien als Expertin für diese Epoche auf. Besonders bekannt war sie für ihre Kommentare in der beliebten NHK-Sendung Comedy: O-Edo de Gozaru, und sie wurde in der Öffentlichkeit typischerweise im traditionellen Kimono gesehen.

Hinako Sugiura starb am 22. Juli 2005 im Alter von 46 Jahren an Kehlkopfkrebs. Der Redakteur Matsuda Tetsuo beschrieb sie einmal mit den Worten, sie wirkte weniger wie eine Forscherin der Edo-Zeit, sondern eher wie jemand, der tatsächlich aus dieser Ära stammte. Ihr Werk wurde nicht nur für Film, sondern auch für die Kabuki-Bühne adaptiert, und sie wird dafür anerkannt, die Kultur und den Alltag des historischen Japans durch ihre Manga und ihre wissenschaftlichen Aktivitäten einem breiten Publikum nahegebracht zu haben.
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