Beschreibung
In „Dai Hakkutsu“, einer Sammlung von dreizehn Kurzgeschichten von Yoshihiro Tatsumi, wechselt die Handlung durch das schmutzige Untergrund-Nachkriegsjapans, von engen Mietskasernen und heruntergekommenen Hotels bis hin zu regennassen Stadtstraßen und kargen Landschaften. Es gibt keinen einzelnen Protagonisten; stattdessen dreht sich jede Geschichte um eine andere Figur, die von Armut, Besessenheit oder sozialer Ausgrenzung gefangen ist. Die Konflikte sind intim und brutal: Ein Mann entdeckt die geheime Vergangenheit seiner Frau als Prostituierte, ein einsamer Büroangestellter fixiert sich auf eine Frau, die er in der U-Bahn sieht, eine junge Frau verkauft ihren Körper zum Überleben, und ein Soldat kehrt aus dem Krieg zurück und findet seinen Platz ausgelöscht. Tatsumis Gekiga-Stil entfernt bewusst jede Sentimentalität und präsentiert diese Leben mit schonungslosem, unerschütterlichem Realismus. Zu den bemerkenswerten Handlungsbögen gehören „Jigoku“ (Hölle), in dem die grausige Arbeit eines Totengräbers in seine eigene Verdammnis übergeht; „Chikadou Hotel“ (Das U-Bahn-Hotel), ein surreales Porträt obdachloser Männer, die in einem Tunnel Unterschlupf finden; und „Ai no Hanayome“ (Liebes Braut), in dem eine behinderte Frau an einen Fremden verheiratet wird. Die Geschichten erstrecken sich über Jahrzehnte, von den frühen 1970er Jahren bis 2003, bleiben aber durch einen gemeinsamen Fokus auf die Verzweiflung und stille Würde der Menschen am Rande der Gesellschaft verbunden. Tatsumis Figuren finden selten Erlösung; ihre Handlungsbögen enden in Resignation, Gewalt oder flüchtigen Momenten der Gnade und lassen den Leser mit einem ungeschönten Blick auf die menschliche Verfassung zurück.
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